Von Castro in die Bar nach Islares

14.05.2012: Der Weg, die Sonne und Hunger!
Teil 1
 

Immer diese Entscheidungen

Der Weg nach Laredo führt über El Pontarron del Guriezo und Liendro. In Liendro muss ich tatsächlich eine Entscheidung treffen, und das im Urlaub! Soll ich in die Herberge zum Faulenzen oder geh ich grade aus weiter die Küste entlang. Die Frage beschäftigte mich die letzten Kilometer. Dieser Streckenabschnitt, der an der Küste entlang läuft, stellt landschaftlich eine wundervolle Alternative zum „normalen“ Jakobsweg dar. Man könnte genau so gut an einer der mystischen Steilküsten Schottlands oder Irlands sein. Das einzige woran man erkennt, dass man nicht in Schottland ist, ist die (Gott sei Dank!) glänzende Abwesenheit schottischen Wetters ;-)

30 km und noch viel weiter!

Kurz vor Islares.

Die Etappe ist mit über 30 km nicht ohne. Das Problem sind nicht die Kilometer, sondern das Werkzeug der moderne Mensch quasi. Menschen haben Sehnen und Gelenke, auch ich hab so was! Und die müssen sich an diese Art der Belastung erst gewöhnen, außer bei Superman, aber der kann den Camino eh fliegen, das Weichei, ich mach das zu Fuß, wie ein echter Mann!

Die ersten 11,1 km sind schon eine kleine Herausforderung. Der Weg nach  Guriezo scheint endlos vor mir zu liegen. Die Umweltbedingungen, für mich als IT ler, könnten schlechter nicht sein. Die Sonne brennt gnadenlos auf mein Haupt, welches ich in weiser Voraussicht mit einem ziemlich coolen Hut bedecke. Mit meiner mindestens doppelt so coolen Sonnenbrille ist der Lichtwellen-Schutzschild perfekt und mein wertvolles Hirn ist geschützt! Ich sehe aus wie ein wagemutiger Forscher und Entdecker der Neuzeit, der um die Welt zieht. Das Einzige was mich auffliegen lässt ist mein, heller Teint, na ja macht nix, ich behaupte einfach mein letztes Projekt war eine Höhlenerkundung :-) Aber ich schweife ab…

Auf der verzweifelten Suche nach Nahrung.

Langsam meldet sich mein Magen. Ich muss was essen, das steht fest. Während sich der Weg immer noch endlos vor mir erstreckt, wird mein Hunger immer größer und im Prinzip bin ich mittlerweile schon in einem Alter in dem man sagen könnte „Der Mann ist in der Lage sich Nahrung zu besorgen.“ Allerdings gibt’s da ein kleines Hindernis. Bisher hab ich sehr, sehr zögerlich bis gar nicht mit den Einheimischen kommuniziert … Ihr fragt Euch jetzt vielleicht „Ja, warum denn nicht?“ Tja, einfach erklärt – alle begeisterten Onlinespieler werden gleich wissen von was ich spreche – Bei DaoC (ein Spiel, vor WoW Ära) war das nämlich so:

Stellt Euch folgende Situation vor:

Ein Troll oder Elf liegt wimmernd auf dem Boden. Mein glänzender avalonischer Kabbalist wird ihn in den nächsten Sekunden ins Jenseits befördern. Dann erscheint eine Sprechblase. „<name>: spricht in einer Sprache, die Ihr nicht versteht.“ Und genau so geht es mir hier. Über jedem Menschen sehe ich Sprechblasen voller „…spricht in einer Sprache die Ihr nicht versteht.“

Die Folge: Unsicherheit hoch 10.

Aber da beißt die Maus keinen Faden ab: Ich brauche Nahrung! In Islares, am späten Mittag, kann ich es dann nicht mehr hinausschieben: Jetzt oder gar nicht.
 Fakt ist, wenn ich jetzt nichts esse, dann kann ich die Alternativroute vergessen. Es wäre zu gefährlich nahe der Bruchkanten der Steilküste ohne genug Energiereserven rumzuturnen. Die allerletzte Möglichkeit vor der Abzweigung ist laut Wanderführer in Liendro, aber das ist mir zu unsicher. Noch dazu hab ich keine Ahnung, wo es da was zu essen gibt. Dazu kommt die nervige spanische Siesta, mir dann vermutlich auch noch in die Quere. Also wenn der Supermarkt jetzt neben der Herberge liegt, gehe ich nicht weiter :-). Aber in Islares sehe ich den schönsten Wegweiser der heutigen Strecke … an einem mit rostigen Draht befestigten, von Wind und Wetter gezeichnetem, verschimmelten Holzschild ist mit roter Farbe das Wort „BAR“ gekritzelt. Ich packe die Gelegenheit beim Schopf!

2012 Das Jahr in dem wir Kontakt aufnahmen.

endlich Essen

Ich gehe also Richtung Bar und nach 300 Meter bin ich da. Zaghaft trete ich ins Unbekannte. 15 Leute drehen den Kopf und starren mich an! Aber nicht lange, das Damentennis auf der 56″ Plasma Glotze war dann doch interessanter als ich ;-) Ich stelle meinen Rucksack ab und schau mich am Tresen nach Essbaren um. Der Barmann kommt und ich wappne mich für die reichhaltige Bestellung:

Einen Kaffee, ein Wasser und ein Baguette mit Schinken will ich haben!

Kaffee (cafe) und Wasser (awa) sind noch einfach, beim Baguette versuche ich es gar nicht erst und bestelle auf „zeichensprachisch“. Das spreche ich fast perfekt ;-) Der Barkeeper nickt und verschwindet in der Küche. Ich schaue mich um und sehe in einer Ecke eine Vertiefung. Da haben die doch glatt einen Tante Emma Laden versteckt. Ich sehe mir das Sortiment an, aber da sind sie wieder. Die „Sprache, die ihr nicht versteht“ Sprechblasen ;-( 

„Moment“

Da! Ein Ding, mittendrin. Dass ich gestern schon bei Clay gesehen habe: ein Dreierpack Dosen mit Jagdwurst oder „Bundeswehr-Wurst und mind. 10 Jahre haltbar“, juhui! Die nehme ich als Notration mit. Saugeil! Auch wenn es mich stark an meine Bunderwehrzeit erinnert. Nach einer Weile kommt der Barmann mit meinem Kaffee, Wasser und Baguette. „Hach, wie geil! Endlich satt essen ;-) Und das Baguette ist riesig.“ Der erste Bissen bringt Ernüchterung. Das Baguette ist so trocken, dass man nach jedem Bissen Angst um eine Staubexplosion haben muss. Aber ich hab alles, was nicht wegexplodiert ist, gegessen.

 Hier noch ein paar Bilder: Klick

Stay tuned!

2 Gedanken zu „Von Castro in die Bar nach Islares“

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