Von Islares nach Laredo

14.05.2012: Der Weg, die Sonne und Hunger! Teil 2

Entlang an idyllischen Schnellstrassen!

Schnellstrasse Richtung Laredo.

Verträumt spaziere ich nach meiner erfolgreichen Vesper den Jakobsweg entlang Richtung Iseca Viesja.„Hm … gerade noch eine schöne Küste, Meer, nette französische Pilgerinnen mit Sprechblasen über den Köpfen und schönes Wetter und jetzt??“ Autos, die mit 100 Sachen an mir vorbeifahren, , ein 1 Meter breiter Gehstreifen und ich. Na toll!! Aber eigentlich die perfekte Gelegenheit um meinen IPod Nano zum Einsatz zu bringen. Ruckzuck hab ich mich verkabelt und starte die Playlist „mix1“!

Die Sonne scheint, die Musik trällert und ich bin auf dem Camino unterwegs. Immer noch schwer zu glauben aber es ist wirklich wahr! Immer wieder hupen mich vorbeifahrende Autofahrer an – typische Grüße an die Fusspilger. Meine iPod ist zwar auf Max. Lautstärke , das Hupen der Autos hört man trotzdem noch und nett wie ich bin, winke ich immer schön zurück. Durch die Kopfhörer schallt grade die 2003er Unplugged Version von Bon Jovi, Its my life, … das Leben ist schön, ich träume vor mich hin und auf einmal: spontan-Herzinfarkt! Hupt mich ein Vollpfosten mit seinem 40tonner an und rast in wahnsinniger Geschwindigkeit an mir vorbei!. Mein Adrenalinpegel steigt auf über Maximum und das in unter einer Millisekunde!! Am liebsten hätte ich den Kerl erwürgt, gekreuzigt und auf den Mond geschossen. Leider nutzte das Weichei seinen kleinen Geschwindigkeitsvorteil den ich nicht wett machen kann. Hellwach, mit Herzrasen und mit Jakobsweg kompatiblen Flüchen und Verwünschungen geh ich weiter!

14,46 Kilometer später: fast am Ziel

 

Strasse durch Liendro

Am Ziel? Nicht ganz, aber immerhin weg von der blöden Strasse. Ich geh durch ein kleines Örtchen Namens Liendro. In meinem Buch lese ich: „…Sie folgen der Strasse noch 800 Meter weiter durch den Ort dann erreichen Sie rechter Hand bei einer Strassenkreuzung ein weiß gelbes Haus mit einer Palme. Hier müssen Sie sich nun entscheiden…“. Da ist ja schon wieder eine von diesen verflixten Entscheidungen! Die hier fällt mir aber leicht, ich verlasse den Jakobsweg an der Stelle und marschiere auf eine alternative Route, die mich an einen der schönsten Abschnitte auf dem Weg nach Santiago bringt. Das lass ich mir auf keinen Fall entgehen! Ich muss zugeben, dass es hier schon sehr genial ausschaut. Ein paar Kilo- und Höhenmeter weiter erreiche ich eine alte Häuserruine und von hier aus habe ich einen wunderbaren Blick auf das Tagesziel: Liendro. Am Aussichtspunkt fällt mir ein, dass ich ja Urlaub habe, runter mit dem Rucksack, Schuhe ausziehen, Handy raus und den Timer auf 45min. stellen und dann: Hinlegen, Augen zu und eine Runde schlafen!

 

Endspurt nach Laredo.

Blick auf Laredo

Wieso ziehen sich die letzten Kilometer bloß immer so? Gegen fünf Uhr komme ich in Laredo an und suche die Herberge. Wo sind all die gelben Pfeile hin, wenn man sie braucht? Da ich meine navigatorischen Fähigkeiten genau kenne, bin ich vorbereitet und nehme das GPS zu Hilfe. Des schaut gut aus! Weit kann es gar nicht mehr sein. Da sehe ich plötzlich eine zierliche Person, ein paar hundert Meter vor mir verdächtig hin und her schlendert … schwarz gekleidet. Außerdem blickt sie immer unauffällig zu mir und wenn ich den Blick erwidere, schaut sie sofort wieder weg. Hm, sehr verdächtig, vielleicht eine der Wegelagerinnen, von denen man im Internet liest!

Kriminalistisches Feingespür

Eingang zur Altstadt.

Sehr verdächtig! Ich bleibe stehen und schaue in mein Buch. „Erst einmal Zeit gewinnen.“ Aber die ganze Zeit spüre ich Ihren Blick auf mir! Sie steht ca. 20 Meter von mir weg, ich sitze in der Falle! Ich stehe in einer mittelalterlichen Gasse. Links und rechts von Mauern umgeben. In meinen Recherchen zum Camino stösst man immer wieder auf Warnungen vor Dieben und Meuchelmördern, die sich unter Pilger mischen. Wah!! Die schwarz gekleidete Frau, vermutlich Asiatin, verhält sich sehr verdächtig! Vielleicht mit Kampfsporthintergrund, eine Yakuza. Nein, die sind cooler, hab schließlich Kill Bill gesehen! Was tun? Ganz klar. Lage klären: wo ist mein Messer, wieso hab ich kein Tränengas mit, mögliche Fluchtwege ausmachen. Klaus, Du Depp! – Schallt es in meinem Inneren. Mein Verstand sagt mir: Hör sofort mit dem Blödsinn auf, die tut Dir nix und ist ca. einen Kopf kleiner …. Und wenn, halb so wild denn wenigstens ist sie Hübsch :-) Auf einmal schreit Sie mich in voller Lautstärke an: PEREGRINO! Das wiederholte sie zwei dreimal, bis ich kapierte was sie will. Ich geh auf sie zu, sie grinst mich an und ich grins zurück. Peregrino werden die Pilger genannt :) Also nur ein Pilgergruß ohne Autohupe ;-)

Bald geht’s weiter!

 

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